Geschrieben von Präsident

 

Liebe Mitglieder des VfL Tegel,

 

ein in vielfacher Hinsicht ereignisreiches Jahr 2016 nähert sich seinem Ende. Für unseren Verein war es vor allem ein Jubiläumsjahr, in dem wir unter großem Einsatz und mit der Hilfe vieler Mitglieder den 125igsten Jahrestag der Gründung unseres Vereins gefeiert haben. Neben den zahlreichen großen und kleinen Veranstaltungen der Abteilungen, die im Zeichen der Feierlichkeiten standen, war sicherlich das Familiensportfest im Juni der Höhepunkt der gemeinsamen Anstrengungen. An diesem Tag hat sich der VfL Tegel als ein vielschichtiger Verein auf seinem Vereinsgelände präsentiert. Ohne die Unterstützung der zahlreichen Helfer aus allen Abteilungen, der Spender und Sponsoren sowie der aktiven Gäste anderer Institutionen wäre dieser erfolgreiche Tag nicht möglich gewesen. Im Jubiläumsjahr war unser Verein darüber hinaus vielfach in den Medien präsent und konnte sich so einer breiten Öffentlichkeit zeigen.

 

Dieses Jahr war ferner durch die fortbestehende Beschlagnahme der Sporthallen in Berlin geprägt. Nicht zuletzt dank der Unterstützung von mehr als 4 000 Unterschriften aus den Reihen unseres Vereins konnten wir seit April/Mai öffentlichkeitswirksam soviel Druck aufbauen, daß zumindest kurzfristig Bewegung in das Thema kam. Immerhin wurden ein paar Sporthallen vor den Ferien geräumt. Nunmehr sind zwar rund 20 Sporthallen wieder frei, können aber - mit zwei Ausnahmen - erst nach der Sanierung genutzt werden; rund 40 Sporthallen sind noch immer beschlagnahmt. Erst im Vorfeld der Mitgliederversammlung des Landessportbunds, die am 25.11.2016 stattfand, steigerte sich wieder die kritische Öffentlichkeitsarbeit. Zurückblickend müssen wir ernüchtert feststellen, daß es der organisierte Sport in Berlin mit über 600 000 Mitgliedern nicht geschafft hat, zeitnah den notwendigen Druck auf die in Berlin Verantwortlichen auszuüben, um zumindest die Einhaltung von vollmundig gegebenen Versprechen zum Freizug der beschlagnahmten Hallen zu erreichen. Tatsächlich ist aus dem Versprechen der Nutzbarkeit aller Hallen nach den Sommerferien 2016 alsbald das Jahresende 2016 geworden, und inzwischen wird schon vom Ende des Jahres 2017 gemunkelt ... und dann müssen die Hallen noch saniert werden. Es sind skandalöse Zustände, die von einer völlig überforderten Verwaltung und ihrer politischen Führungsebene zu verantworten sind, aber nicht verantwortet werden. Vielmehr wird die Fairneß des Sports, der seine Anliegen friedlich und sachlich vorbringt, seine Solidarität und Flexibilität gnaden- und schamlos ausgenutzt.

 

Erschreckend, wenngleich in einem anderen Zusammenhang, war es auch mitzuerleben, wie Politik versucht, Einfluß auf das Vereinsleben im weiteren Sinne zu nehmen. Es ist gleichermaßen skandalös, wenn ein nicht dem Verein angehörender stellvertretender Vorsitzender einer örtlichen Jugendorganisation einer traditionsreichen demokratischen Partei Rechenschaft vom Präsidium dieses Vereins verlangt, weil er meint, sich in unsere internen Angelegenheiten einmischen zu müssen. Die Zeiten, in denen Vereine einer (der) Partei Rechenschaft für ihr Tun ablegen mußten, sind glücklicherweise vorbei, auch wenn manche das offenkundig bis heute nicht mitbekommen haben oder wollen. Wir sind nach unserer Satzung parteipolitisch neutral und werden es auch bleiben, und wir werden derartige Versuche der politischen Einflußnahme auch zukünftig ignorieren.

 

Die negativen Erfahrungen dieses Jahres hatten allerdings einen überaus positiven Effekt: Denn die Beschlagnahmungen führten insbesondere die Reinickendorfer Großvereine an einen Tisch zusammen, und daraus entwickelte sich in diesem Jahr ein vereinsübergreifender und reger Austausch, mit der Erkenntnis, daß die Vereine nicht Konkurrenten sind, sondern im gemeinsamen Boot des Sports sitzen, das nur vorwärts kommt, wenn sich alle gemeinsam in die Riemen legen. Diese positive Entwicklung führte außerdem zu einer personellen und inhaltlichen Neuausrichtung des Bezirkssportbunds Reinickendorf, dessen Gründungsmitglied der VfL Tegel ist. Durch sportliche und fachliche Aktivitäten sollen dort verstärkt die gemeinsamen Interessen der Reinickendorfer Sportvereine gebündelt werden. Darüber hinaus gründeten im September 2016 zahlreiche Berliner Großsportvereine eine Interessengemeinschaft "Sportverbund Berlin" mit dem Hauptziel der unmittelbaren Mitgliedschaft der Vereine im Landessportbund Berlin. Mit der Mitgliedschaft des VfL Tegel greifen wir den entsprechenden Auftrag in unserer Satzung, nach der unser Verein die Mitgliedschaft im LSB anstrebt, aktiv auf. Inzwischen gehören dieser Gemeinschaft 15 Vereine mit über 60 000 Mitgliedern an. Binnen kurzer Zeit haben sich hier vielfältige fachliche und persönliche Kontakte ergeben, die uns als Verein weiterbringen und die wir weiterhin nutzen und fortentwickeln müssen.

 

Dieser Blick über den eigenen Tellerrand zeigt im übrigen die Schwierigkeiten im Ehrenamt auf. Viele Großvereine haben inzwischen hauptamtliche Geschäftsführer und beschäftigen zahlreiche hauptamtliche Mitarbeiter und Trainer, auch weil es immer weniger Menschen gibt, die sich mit einem Großteil ihrer Freizeit ehrenamtlich für einen Verein engagieren wollen. Im ehrenamtlichen Bereich reagiert immer mehr das Geld, zumal die Vereine zunehmend für die Wahrnehmung staatlicher Aufgaben mißbraucht und dafür mit Fördermitteln geködert werden. Umso erfreulicher ist es nicht nur, daß unser Großverein weiterhin von einem vollbesetzten ehrenamtlich tätigen Präsidium geführt wird, sondern daß wir mit Bernd Gaebel und Reinhard Kohlmetz zwei neue engagierte Präsidiumsmitglieder gefunden haben, die sich inzwischen in ihre anspruchsvollen Aufgabenbereiche hervorragend eingearbeitet haben. Damit bieten sie mit den anderen Präsidiumsmitgliedern und zusammen mit den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle die Gewähr für eine kontinuierliche Fortsetzung der Vereinsarbeit im 126igsten Jahr des Vereinsbestehens. Das setzt allerdings auch die Unterstützung der Abteilungen und aller Mitglieder voraus, denn nur gemeinsam sind und bleiben wir als ein Verein stark.

 

Im Namen von Bernd Gaebel, Reinhard Kohlmetz, Udo Oelwein, Schaarschi und Hans Welge wünsche ich Euch ein ruhige und besinnliche Adventszeit, ein frohes Fest und ein erfolgreiches neues Jahr 2017.

 

S. Kolbe, Präsident.

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